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BGH: Grenzen der Berichterstattung über Angelegenheiten der Privatsphäre bei überragendem öffentlichen Interesse

BGH, Urteil vom 10. November 2020 - VI ZR 62/17

Das durch Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG, Art. 8 Abs. 1 EMRK gewährleistete Recht auf Achtung der Privatsphäre gesteht jedermann einen autonomen Be-reich der eigenen Lebensgestaltung zu, in dem er seine Individualität unter Aus-schluss anderer entwickeln und wahrnehmen kann. Dazu gehört auch das Recht, für sich zu sein, sich selbst zu gehören und den Einblick durch andere auszu-schließen. Der Schutz der Privatsphäre ist sowohl thematisch als auch räumlich bestimmt. Er umfasst insbesondere Angelegenheiten, die wegen ihres Informati-onsgehalts typischerweise als "privat" eingestuft werden, etwa weil ihre öffentli-che Erörterung oder Zurschaustellung als unschicklich gilt, das Bekanntwerden als peinlich empfunden wird oder nachteilige Reaktionen der Umwelt auslöst. Dazu gehören grundsätzlich auch - regelmäßig in Abhängigkeit von Detailreich-tum und Tiefe der Information - Vorfälle aus dem Familienbereich, die Ausgestal-tung familiärer Beziehungen wie auch Situationen großer emotionaler Belastung wie bei der Trauer um einen Angehörigen oder eine nahestehende Person, da sie Gefühlsäußerungen, persönliche Regungen und Handlungen auslösen kön-nen, die erkennbar nicht für die Augen Dritter bzw. Unbeteiligter bestimmt sind. (Amtlicher Leitsatz)

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